(Selbst-)Bild einer grünen Zukunft

Theresa Zellner
Sara Lipponer
Florian Nagl
Professorship
Architectural Design and Construction
project

Am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren unter Gastprofessor Wolfgang Rossbauer haben im WS19/20 19 Studierende  zusammen mit den BürgerInnen der ländlichen Gemeinden Langquaid und Wildenberg Ideen für ein „Wohnen in der Zukunft“ entwickelt. Statt eine klassische Aufgabenstellung auszugeben, in der die Bauherrenbestellung exakt in Quadratmeter übersetzt ist, haben die Studenten ihre Ziele selbst erarbeitet. Aufgabenstellung und Lösung wurden parallel geschrieben: was architektonisch geht, beeinflusst, wie gelebt werden könnte. Der Einstieg wurde mit einem sozialpsychologischen Impuls vollzogen und begleitet. Wie knüpft man an die Wahrnehmungen der Menschen am Land an? Wie schreibt man eine Geschichte nicht für, sondern mit den Menschen so, dass sie geschmeidig mitgegangen werden kann? Wie initiiert man einen Veränderungsprozess, der die unbekannte Zukunft zulässt und der in ein real gebautes Projekt mündet?

Wer wollen wir gewesen sein? Dieser Frage gingen die Studierenden Theresa Zellner, Florian Nagl und Sara Lipponer nach. Sie kletterten dafür in das Jahr 2070: die Menschen haben es geschafft, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Noch mehr sogar: Sie leben in spannenden Räumen, haben neue Sozialformen entdeckt und sehen sich selbst in einem neuen Verhältnis zur Natur. Von der zu Beginn des Jahrhunderts ausgerufenen grossen Verpflichtung zum Verzicht (auf was?) keine Spur. Das Projekt der Studierenden erzählt das Gegenteil: Die Zweckentfremdung des bestehenden 16-Kammer-Betonsilos in der Ortsmitte Langquaids eröffnet spektakuläre vertikale Wohnräume, die mit Brücken, Schubladen und Netzen zoniert, mysteriös und befreiend zugleich sind und sich mit einem atemberaubenden begrünten Fassadenraum verflechten. Wohnen mal ganz anders.
Die sarkastischen Fassadenstudien zeigen auf: Lässt man den Investoren des Jahres 2019 freien Lauf, entsteht ein hässlicher Klotz mit emotional niedriger Halbwertszeit. Will man das Nachbardorf übertrumpfen, muss mindestens ein noch grösserer Hundertwasser her. Kopiert man die Stararchitektur der 60er Jahre, so merkt man schnell: was seiner Zeit Sinn machte, wirkt unter den Bedingungen des wärmer werdenden Klimas, der Verknappung wertvoller Ressourcen und des Verständnises eines kompakten Dämmperimeters anachronistisch und irritierend. Der begrünte Turm jedoch eröffnet den Menschen vor Ort die Möglichkeit, anders zu leben, Spass dabei zu haben und eine Projektionsfläche für neue Heimatgefühle zu entwickeln.

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Betonkapseln als Innovation?
Fotomontage Silo in Langquaid
Ein neuer König für Langquaid?
Fotomontage Silo in Langquaid
Große Fassade, kleiner Nutzen?
Fotomontage Silo in Langquaid
Ein Büroturm als neues Wahrzeichen?
Fotomontage Silo in Langquaid
Ein Gespräch über Selbstbilder der Zukunft
Schlusskritik