Prinzip Kolchos

Jonathan Hoff
Professorship
Urban Design
project

Architekten und Stadtplaner sind nicht nur ausführende Hand der Investoren, sondern tragen durch ihr Handeln aktiv zur negativen Entwicklung unserer Gesellschaft bei. Jene Entwicklung ist im öffentlichen Raum spürbar. Architektur gibt der Gesellschaft somit eine Gestalt und fungiert als Medium des Sozialen.

Wir als zukünftige Architekten müssen uns klar gegen die ausgrenzenden Mechanismen der kapitalistischen Immobilienwirtschaft stellen und diese überwinden. Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel und ist dabei neue Formen anzunehmen. Auch in der Architektur muss sich nun endlich wieder eine neue, gesellschaftsfördernde Haltung offenbaren.

Unser Entwurf für den Münchner Schlachthof basiert auf den Idealen unseres Manifestes. Alle Entwurfsentscheidungen wurden auf der Grundlage von dem Prinzip Kolchos, ein von uns entworfenes Regelwerk zur gesellschaftlichen Ordnung und Gestaltung einer Stadt, getroffen. In ihm spiegelt sich sowohl unsere gesellschaftliche Haltung als auch unser Selbstverständnis als Architekten wider.

Der Schlachthof ist ein städtischer Raum, der durch eine denkmalgeschützte Eingangssituation, die Fleischindustrie und neue Nutzungen, wie das Bahnwärter Thiel oder das Volkstheater geprägt ist. Die Anbindung des Dreimühlenviertels und der Ubahn Haltestelle Poccistraße ist gestört. Der eigentliche Eingang hat an Bedeutung verloren.

Unser Entwurf stellt die Symmetrie des Areals wieder her und bringt alle Funktionsbereiche einer Stadt zusammen. Durch die neue Bushaltestelle Schlachthof werten wir die ursprüngliche Eingangssituation auf und stellen einen direkten Zugang zum Dreimühlenviertel her. Auf der Südseite des Areals erweitern wir die kleinteiligen Nutzungen. Das Konzept des Urban Gardenings, wie es bereits auf dem Gelände des Bahnwärter Thiel vorzufinden ist, nehmen wir auf. Das gesamte Areal ist durchlässig gestaltet und sowohl für Fahrradfahrer als auch Fußgänger zugänglich. Die Möglichkeit für Anlieferungen sind gegeben. In dem Entwurf sind neben einer Schule, einem Kindergarten und einer Freiluftbühne auch Gewerbeeinheiten enthalten, die zum Vertical Farming genutzt werden. Denkmalgeschützten Gebäuden werden gemeinnützige, verwaltende Funktionen zugesprochen.

Die Bewohner des Areals leben alle in einem Haus, das sich über 5 Stockwerke erstreckt. Die Erschließung erfolgt über Laubengänge. Die Höfe unseres Wohnhauses sind durch vier Durchgänge zugänglich und im Innern offen strukturiert. Hier werden Räume für Gewerbe und gemeinnützige Funktionen bereitgestellt. Das erste Obergeschoss ist mit Wohnungen gefüllt und bietet Räume mit gemeinschaftlichem Nutzen. Im dritten Obergeschoss befindet sich der Dachgarten, der von allen Höfen erschlossen werden kann und für die Bewohner gedacht ist.

Wir verfolgen ein egalitäres Wohnkonzept, woraufhin jedem Bewohner gleich viel Wohnraum zugesprochen wird. Es gibt zwei Wohnungstypen, die sich im ganzen Wohnhaus wiederholen. Hierdurch werden gleiche Wohnverhältnisse geschaffen.

AJA
Konzept Mobilität & Konzept Grünflächen
Ruben Felberbaum, Jonathan Hoff
Konzept Durchlässigkeit & Axonometrische Darstellung
Ruben Felberbaum, Jonathan Hoff
Perspektivische Darstellung mit Blickrichtung nach Süden & Grundriss EG
Ruben Felberbaum, Jonathan Hoff
Grundriss 1.OG & Grundriss 3.OG
Ruben Felberbaum, Jonathan Hoff
Perspektivische Darstellung mit Blickrichtung nach Westen & Grundriss Wohnungen
München 2020, © Ruben Felberbaum, Jonathan Hoff