Ein Raum, wo vorher keiner war.

Eve-Maria Peis
Paula Giauque
Professorship
Architectural Design and Construction
project

Am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren unter Gastprofessor Wolfgang Rossbauer haben im WS19/20 19 Studierende  zusammen mit den BürgerInnen der ländlichen Gemeinden Langquaid und Wildenberg Ideen für ein „Wohnen in der Zukunft“ entwickelt. Statt eine klassische Aufgabenstellung auszugeben, in der die Bauherrenbestellung exakt in Quadratmeter übersetzt ist, haben die Studenten ihre Ziele selbst erarbeitet. Aufgabenstellung und Lösung wurden parallel geschrieben: was architektonisch geht, beeinflusst, wie gelebt werden könnte. Der Einstieg wurde mit einem sozialpsychologischen Impuls vollzogen und begleitet. Wie knüpft man an die Wahrnehmungen der Menschen am Land an? Wie schreibt man eine Geschichte nicht für, sondern mit den Menschen so, dass sie geschmeidig mitgegangen werden kann? Wie initiiert man einen Veränderungsprozess, der die unbekannte Zukunft zulässt und der in ein real gebautes Projekt mündet?

Die Studierenden Eva-Maria Peis und Paula Giauque nahmen sich eines vergessenen Raumes in Wildenbergs Ortsmitte an: Der eingezwängte Bachlauf durchläuft heute Wiesenstücke, die einen undefinierten, starren Raum aufspannen. Ein Ort von unerwecktem Potential: Die Studentinnen schlagen vor, dem Bach den natürlichen Auenraum zurückzugeben und dabei mehrere Themen synergetisch zu überlagern: was Retentionsraum und gesetzliche Ausgleichsfläche ist, soll gleichzeitig zum Ort der Begegnung und der Naturerfahrung werden. Was ein unerwünschter „Schandfleck” ist, wird plötzlich zur spannenden fußläufigen Erschließung aller Ortsteile.
Am neuralgischen Punkt, wo der Bachlauf und die Strassenkreuzung sich treffen, soll ein neuer öffentlicher Anger entstehen. Statt eines befestigten Dorfplatzes bilden selbst bewirtschaftete Beete und Obstbäume ein Ökosystem mit hitzegerechtem Mikroklima, das die Menschen magisch anzieht. Hier, an der Kante zur Natur, planten die Verfasserinnen einen „Bürger-Baldachin“. Die Halle im polycarbonat-verkleideten Zwischenklima bietet Raum zur temporären Nutzung für den Gemeinderat, für Veranstaltungen, Markt und Co-Working. In den acht Kammern der Struktur des Dachtragwerks lassen sich Bürgermeisterbüro, Vereinsräume und temporäre Wohnungen für Menschen in Not einbeschreiben. Die simple Holzsstruktur verwächst mit den Bäumen der Auenlandschaft und wird zum künftigen Ankerpunkt der dörflichen Identifikation und zu einem Zeichen für eine neue naturnahe und offene Dorfpolitik.

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Ein neuer Raum für dörfliches Leben.
Fotomontage/Plandarstellung
Holzstruktur im Eigenbau
Modellfoto
Dorfanger als neue Ortsmitte
Fotomontage/Plandarstellung
Eine Geschichte mit den Menschen erzählt
Ortsbesuch