Räume der Wohnungslosigkeit

Michelle Hagenauer
Professorship
Urban Design
research paper

Ziel dieser Arbeit ist eine fundierte Antwort auf die komplexe Problematik einer steigenden Zahl von wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen in München zu geben.
Die Untersuchungen zeigen, dass in München vor allem eine neue Haltung gegenüber wohnungslosen Personen und darin begründet eine strukturelle Reform des Hilfesystems entwickelt werden muss. Das komplexe, weitreichende System der Akutversorgung Münchens stößt an seine Grenzen. Hinzu kommen Verdrängungs- und Kontrollprozesse im öffentlichen Raum sowie Diskriminierung bestimmter Personenkreise. Es braucht eine Verschiebung der Vorgehensweise von der Behandlung von Wohnungslosigkeit hin zu Prävention und Behebung. Dem zugrunde liegt die Haltung Wohnen als Grundrecht zu betrachten.

Als sich die Covid-19 Pandemie Anfang 2020 in Deutschland auszubreiten begann, veränderte sich das Leben grundlegend. „Stay home“, bleibt zuhause, wurde zum allgegenwärtigen Grundsatz. Das öffentliche Leben wurde heruntergefahren. Das soziale Leben erfuhr einen Rückzug ins private Umfeld. Der private (Wohn-)Raum gewann an Bedeutung. Von ihm hingen persönliche Sicherheit und Komfort ab. In den darauffolgenden Monaten lenkte die Pandemie die öffentliche Aufmerksamkeit auch auf die Menschen, für die der Rückzug in den privaten Raum keine Option ist. In vielen Städten wurden Gabenzäune aufgebaut und die Spendenbereitschaft stieg. Gleichzeitig wurde die Lebenssituation für Obdach- und Wohnungslose durch das Erliegen des öffentlichen Lebens, die Schließung von Institutionen und die Einschränkung von Hilfsangeboten erheblich erschwert.
Durch die globale Pandemie-Situation wurde ein Thema in den Fokus gerückt, das schon seit Jahren drängt. Wohnungs- und Obdachlosigkeit lässt sich in Städten unterschiedlichster Wirtschaftsleistung, Demografie und sozialem Gefüge beobachten. Weltweit steigen die Zahlen der wohnungslosen und der in prekären Wohnverhältnissen lebenden Menschen. Auch in München geht man von einer steigenden Zahl der Wohnungslosen aus. Der Wohnungsmarkt ist angespannt. Die Zahl der geförderten Wohnungen kann den Bedarf bei weitem nicht decken. Die mit dieser Situation einhergehenden Herausforderungen werden sich in den nächsten Jahren voraussichtlich noch verschärfen.
Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) waren 2018 ca. 678.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. Davon waren ca. 41.000 Menschen akut obdachlos und lebten auf der Straße.1 Der BAG W sowie lokale Akteure gehen von einem weiteren Anstieg der Zahlen aus.
Die Fragestellungen dieser Arbeit lauten: Welche Akteure, Prozesse und Praktiken stehen in Zusammenhang mit Wohnungslosigkeit in München? Wie wird institutionell gegen Wohnungslosigkeit vorgegangen? Welche räumlichen Strukturen bestehen im Zusammenhang mit Wohnungslosigkeit und haben sie einen verstärkenden, erhaltenden oder entgegenwirkenden Einfluss auf Wohnungslosigkeit? Welche Handlungs- und Gestaltungsspielräume bestehen auf politischer, gesellschaftlicher und individueller Ebene, um die Situation wohnungsloser Menschen in München zu verbessern?

Räume der Wohnungslosigkeit
Urbane Strukturen Münchens zwischen Wohnung und Straße
Infrastruktur wohnungsloser Menschen in München
Analyse städtischer Infrastruktur und Hilfseinrichtungen für wohnungslose Personen
Typologie Obdach und Struktur des Hilfesystems
Analysediagramme
Umbau des Unterbringungssystems
nach Housing First Prinzipien, dezentrale Unterbringung, Intergration des Parallelsystems
Raumpotenziale
Raumpotenziale nutzen um Wohnungslosigkeit nachhaltig zu beenden
Zollernhaus in Schwabing
In einem ehemaligen Hotel entsteht ein neues Wohnprojekt.