Ein Ort für Papier

Professorship
Architectural Design and Conception
project

Auf dem brach liegenden Gelände der Münchner-Dachauer Papierfabriken entsteht ein Haus des Schaffens, des Erfahrens und der Begegnung. Ein Ort für Papier. Durch das Erfahrbarmachen des Handwerks der Papierherstellung und des Papiers an sich trägt der Entwurf nicht nur zum Erhalt der Dachauer Historie bei, sondern bildet außerdem den Kern des neuen Quartiers.

Papier kann sich weich oder hart anfühlen, der Klang bei der haptischen Begegnung ist je nach Beschaffenheit unterschiedlich. Für jede Herstellungsart sind verschiedene Strukturen ablesbar.

Wie man Papier erlebt, soll auch im Gebäude spürbar werden.

Papier kann am besten liegend gelagert werden. Große Stapel aus Papier werden schnell schwer und massiv. Bei der Lagerung von Papier ist es wichtig, die Räume dunkel zu halten, um das Papier vor Vergilbung zu schützen.
Möchte man Papier hingegen ausstellen, so ist ein sehr heller Raum von Vorteil. Hält man Papier gegen das Licht, so wird die Struktur des Papiers sichtbar. Fasereinschlüsse, kleine Falten und Verwaschungen sind lediglich im Licht erkennbar.
Das Gebäude spielt mit dem Gegensatz von Hell und Dunkel.

Das neue Quartier in Dachau lebt vom Charme des Industriellen. Dieser wird durch den neuen Stadtbaustein – ein Papierhaus – ergänzt und verstärkt. Durch seine Nutzung wird der Charakter der ursprünglichen Papierfabrik erhalten und eine neue Mitte des Quartiers entsteht.
Das Sheddach bewirkt, dass sich das Haus auch äußerlich in die industrielle Umgebung einfügt. Im Innenraum ist das Sheddach maßgebend für das Tageslichtkonzept. Helle und offene Räume entstehen zwischen den eingestellten Boxen aus Sichtbeton, welche sich aus dem Sockel erheben.
Das Tragwerk aus Stahl verstärkt den Eindruck der Leichtigkeit und Filigranität. Die Aussteifung erfolgt über Auskreuzungen und die eingestellten Blöcke.
Die dunklen Bereiche des Hauses vermitteln durch die Ausformulierung in Beton Schwere und Massivität. Eine raue Oberfläche wird durch die ensprechende Schalung aus Holz erzielt. Belichtung in den Ausstellungsräumen wird durch gezielte, der Austellung entsprechenden, Einschnitte generiert.
Türen und Türzargen sind aus Eichenholz. Der Fußboden im Austellungsbereich und in den Boxen ist aus Eichenholzparkett. Lediglich im Erdgeschoss, zwischen den Boxen, ist ein geschliffener Estrich vorgesehen.
Die Fassade ist aus Trapezblech-Sandwichpaneelen angefertigt, welche über U-Profile an den innenliegenden Trägern befestigt werden. Somit wird die Trapezblechfläche vertikal und im Raster gegliedert. Die Innenseite der Paneele ist vergipst und bietet somit viel Hängefläche für Exponate.

Durch gezielte Einschnitte werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss verbunden. So entstehen doppelt hohe Räume und Blickbeziehungen zwischen Ausstellungsbereich und Foyer, Werkstatt und Cafe.
Durch seine Orientierung kommuniziert das Haus des Papieres sowohl mit dem Mühlbach, dem neuen Platz, als auch der alten Fabrik. Gezielte Einschnitte in der Fassade stärken die Bezüge.

Visualisierung
Blick in die Werkhalle
Piktogramme
Konzepterläuterungen
Visualisierungen
Spiel zwischen Hell und Dunkel
Grundriss EG + 1.OG ; Konstruktionsaxonometrie
Filigrane Stahlkonstruktion stülpt sich über massive Volumen
Visualisierung
Blick aus Osten, Einfügen des Gebäudes in die industrielle Umgebung
Axonometrie
Städtebauliche Bezüge und Schaffen von verschiedenen Zonen