Produktive Dichte

Louisa Bauer
Professorship
Urban Architecture
project

München wächst. Die Prognosen gehen von etwa 1,8 Millionen Einwohnern im Jahr 2030 aus. Vor diesem Hintergrund geht es nicht darum, ob man für oder gegen eine nachträgliche Verdichtung der Stadt ist. Denn diese wird geschehen. Es geht vielmehr darum, wie man Verdichtung als Chance für eine bessere Zukunft der Stadtgesellschaft gestalten kann.
Wie die Gesamtstadt, befindet sich auch Giesing im Wandel. Das frühere Arbeiterviertel ist heute ein attraktives Quartier mit entsprechender Nachfrage. Der besondere Charakter von Giesing geht von der starken Heterogenität sowohl in der baulichen Struktur, als auch in der Bevölkerung aus. Hier trifft Produktion, Handwerk, Kultur, Konsum, Freizeit und Wohnen unmittelbar aufeinander. Die dadurch entstehende Spannung und urbane Qualität wurden für uns zum Leitbild des Entwurfs.

Die Verbindung von Wohnen und produktivem Gewerbe steht im Vordergrund des städtebaulichen Konzepts. Multifunktionale Hallen bilden im doppelgeschossigen Erdgeschoss eine öffentliche Hofstruktur. Diese Struktur bietet Platz für Werkhallen, Ateliers, Gastronomie, Sporthalle, temporäres Parken, Kita oder die Stadtbücherei Untergiesing. Der Hof erweitert den öffentlichen Raum und erlaubt Aneignung, Transformation und unvorhersehbares, urbanes Leben.

Die Dächer der Hallen bieten halbprivate Flächen zur kollektiven Nutzung und Aneignung durch die Bewohner. Außerdem sind sie Teil der Erschließung und somit zentraler Treffpunkt der Bewohnerschaft.

Die aufliegenden Wohnkörper nehmen unterschiedliche Wohntypologien auf. Diese Typologien reagieren mit unterschiedlichen Wohnformen auf den direkten Kontext und die spezifische Lage auf dem Grundstück. Alle vier Typologien stellen auf unterschiedliche Weise einen starken Bezug zum Außenraum her und garantieren durch ihr Setzung maximale Belichtung.

Um Langlebigkeit und die Nutzung über einen vorhersehbaren Nutzungszyklus hinaus zu gewährleisten, sind Konstruktion und Ausbau klar voneinander getrennt. So entstehen robuste Rohbaustrukturen, welche gemeinsam mit präzise gesetzten Nasszellen flexibel nutzbare Einheiten bilden. Diese Einheiten können durch einfache Einbauten gegliedert oder als offene Räume bewohnt werden.