ZYKLUSWOHNEN

Maximilian Kirn
Professur
Projektarbeit
Die gegenwärtige Bauproduktion arbeitet mit Träumen und Wünschen, die durch Vermarktungsbilder und geschaffene ökonomische Rahmenbedingungen geweckt werden. Dabei wird eine uniforme, ausdruckslose Architektur als exklusiv und modern am Markt platziert ohne den heterogenen Lebenswirklichkeiten der Gegenwart oder zukünftigen Entwicklungen gerecht zu werden. Von dieser Annahme ausgehend, sollte untersucht werden, welche Eingriffe in die gebaute Struktur nötig sind, um den vielfältigen Anforderungen an das Wohnen von heute und morgen gerecht zu werden. Im Laufe der Bearbeitung sollte die Realität des Machbaren und des Entwerfens im Sinne der Plausibilität hinsichtlich der Ökonomie der Mittel und Ästhetik ständig überprüft werden.
Die Ausgangsfrage des Entwurfs war die nach dem Grad an Permanenz der baulichen Struktur in Hinsicht auf den stetigen Wandel der Lebensverhältnisse. Im Laufe der Bearbeitung wurden drei Zyklen des Lebens herausgearbeitet, denen die bauliche Transformation im Sinne eines zukunftsorientierten Wohnens gerecht werden soll. Dazu wurde ein im Bau befindlicher Wohnungsbau bis auf seine Schottenstruktur zurückgebaut, es wurden alle nicht-tragenden Bauteile und die Erschließungskerne im Inneren entfernt. Durchgesteckte Basis-Wohnungen nutzen die bestehende Sanitärinstallation. Der Grad an Öffentlichkeit steigert sich von Süden nach Norden bis hin zu einem gemeinschaftlichen Wintergarten. Innerhalb eines Lebenszyklus eines Menschen nimmt sein Verbrauch an Wohnfläche stetig zu. Die neue bauliche Struktur ermöglicht es Wohnungen unkompliziert Räume zu oder weg zuschalten. Aufgrund der erhöhten Anforderungen an die Schalträume wurden sinnliche und bauphysikalische Aspekte, insbesondere hinsichtlich Privatheit und Flexibilität, untersucht und ausbalanciert. Das Haus reagiert auf den Zyklus der Jahreszeiten. Die Einführung mehrerer Raumschichten mit unterschiedlichen thermischen Qualitäten lässt unterschiedliche Aneignungen der Wohnräume zu. Dabei ist die Verfügbarkeit der Wohnfläche an die Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen gekoppelt. Die Nutzungen der einzelnen Wohnungen sind in die Tiefe des Gebäudes organisiert und können je nach Tageszyklus zusammengefasst oder getrennt werden. Dadurch werden die Räume sowohl dem Wunsch nach Privatheit und Gemeinschaft gerecht.