Wohnhalle

Annika Rautter
Professur
Entwerfen und Konstruieren
Projektarbeit

Das Areal einer stillgelegten Zementfabrik in Brunnen am Vierwaldstätter See/CH soll als Mischviertel, auf dem Wohnen, Kultur und Gewerbe stattfindet, umgenutzt werden. Dafür wurde ein Gestaltungsplan entwickelt, der vorsieht, die meisten der ehemaligen Fabrikgebäude abzureißen und verschiedene Baubereiche mit Wohn- und Gewerbenutzung, sowie erdgeschossiger Verkaufsfläche zu schaffen. Hinsichtlich des Themas „Dicht – Nachhaltig – Einfach“ sollen zum einen die Möglichkeiten in der städtebaulichen Planung untersucht und zum anderen ein konkretes Gebäude entworfen werden.
Zeitgleich wurde der Entwurf von Studierenden des Studios Boltshauser an der ETH Zürich bearbeitet, im Herbst 2020 soll eine gemeinsame Ausstellung an der Akademie der Künste in Berlin stattfinden.

Für unseren Entwurf werden die bestehenden Industriegebäude auf dem Areal beibehalten und durch die geradlinige Typologie der Zeilenbauten, die den Fabrikcharakter widerspiegeln, ergänzt. Durch die strenge Ausrichtung der Längsseite hin zum Fluss Muota ergibt sich ein verkehrsberuhigter Bereich zwischen den Zeilenbauten, der sich immer wieder zu größeren Plätzen aufweitet. Um den Charakter der alten Zementfabrik weiterhin spürbar zu machen, lehnen wir uns an die einfache Konstruktion und Formensprache von Werkhallen an.
Unser Gebäude befindet sich im südlichen Quartier und nutzt die bereits versiegelten Flächen des Areals als Fundament. Im unteren Geschoss finden Werkstätten, Markthallen und Geschäfte Platz, während die oberen Geschosse Wohnungen beherbergen.
Wir arbeiten mit verschiedenen Klimazonen, um Dämmmaterialien sowie Heizkosten einzusparen. So ist beispielsweise die Markthalle nur von einem einfachen Wetterschutz ummantelt, während die einzelnen Stände, in denen Co-working Plätze oder Cafes liegen, eine weitere wärmende Schicht umfasst. Je nach Nutzung der Stände kann hier mit Wandstärken und Aufbauten variiert werden.
Dieses Prinzip zieht sich auch in den oberen Geschossen durch. Hier gibt es einen großzügigen Erschließungsflur, der gleichzeitig als Gemeinschaftsfläche für die Bewohner dient und durch die umschließenden Wohnungen mäßig beheizt wird. Durch Fensterbänder und Laubengänge wird eine optimale Durchlüftung und Belichtung der Geschosse gewährleistet. Es gibt fünf verschiedene Wohnungstypen für 1-4 Personen sowie Galeriewohnungen im Dachgeschoss.
Das Tragwerk unseres Gebäudes besteht aus einer übergeordneten Tragstruktur aus Brettschichtholz. Im Erdgeschoss wird der Charakter der Markthalle durch Binder betont, die durch die Konstruktion des Vorsprungs ausgesteift werden soll. In den oberen Geschossen spiegelt eine filigranere Skelettkonstruktion aus Holz den anderen Nutzen wider. Die Geschossdecken aus Brettsperrholz übernehmen eine aussteifende Wirkung. Die Außenwand besteht aus Holzrahmen, die in den Zwischenbereich der Hauptachsen eingesetzt werden und mit Zwischendämmung aus Zellulosefasern und einer hinterlüfteten Holzschalung versehen werden.
Ganz nach dem Motto „Dicht – Nachhaltig – Einfach“ strebt unser Entwurf nach Ressourcen- und Flächeneffizienz und betont den Aspekt der Nachhaltigkeit durch die Baukonstruktion aus Holz.

Geländeschnitt
Geländeschnitt durch das südliche Quartier mit Blick auf die Wohnhalle
Lageplan
Lageplan des Areals der ehemaligen Zementfabrik in Brunnen/CH
Außenraumperspektive
Außenraumperspektive zwischen den Zeilenbauten mit Blick auf die Bestandsgebäude
Schnitt
belebter Schnitt der Wohnhalle
Innenraumperspektive
Innenraumperspektive Markthalle
Innenraumperspektive
Innenraumperspektive Wohngeschosse