Verwandlung des Grünen Hügels

Laurids Trapp
Professur
Raumkunst und Lichtgestaltung
Projektarbeit

Das Festspielhaus auf dem „Grünen Hügel“ Bayreuths ist der Prototyp eines rein nach funktionalen Gesichtspunkten errichteten Opernhauses und in seiner Entstehungsgeschichte einmalig: Zunächst wurde es für nur eine Spielzeit von Wagners Opern errichtet und 1876 eröffnet, jedoch anschließend weiter belegt und über die Jahre zu einem dauerhaften Ort für Wagners Inszenierungen. Der ursprünglich temporäre Charakter des Hauses wurde durch Anbauten, Umbauten und Nebengebäude weiter verstetigt. Der Bedarf an Probeflächen und Werkstätten führte dazu, dass sich ein Sammelsurium an Baukörpern um das Festspielhaus gruppiert; aus dem momentanen Raumbedarf heraus gedacht und ohne grundlegendes räumliches Konzept. Diese gewachsenen Situation soll neu überdacht und die Produktionswelt um das historische Festspielhaus neu geordnet werden.

Jedes Jahr nach der Festspielzeit im August, wenn alle Gäste und auch die letzten Künstler das Gelände verlassen haben, fällt das Bayreuther Festspielareal auf dem Grünen Hügel in einen tiefen Dornröschenschlaf. Erst nach Monaten erblüht mit den Vorbereitungen für die neue Spielzeit nach und nach wieder neues Leben: Die ersten Kulissen werden gebaut, die Darsteller reisen an, das Orchester nimmt seine Proben auf, bis das Spiel schließlich laut und farbenfroh auf der Bühne die Gäste begeistert. Anschließend versinkt das Areal wieder in tiefen Schlaf und der Kreislauf beginnt von vorn.
Der Entwurf versteht sich als architektonische Illustration dieses besonderen Wechselspiels aus Dornröschenschlaf und Erblühen des Grünen Hügels im Jahresverlauf.

Die notwendigen Infrastrukturräume sind in sechs Solitären nördlich des Festspielhauses untergebracht, mit jeweils einer Probebühne bzw. den Werkstätten im Erdgeschoss und den Probenräumen bzw. der Schneiderei im Obergeschoss. Während der Ruhezeit im Winter stehen die großformatigen Kuben unzugänglich im Park des Grünen Hügels, können aber von Spaziergängern durchwandert werden.
Mit Beginn der Nutzung im Frühjahr öffnen sich ihre Fassaden und verbinden die Gebäude gleichzeitig zu einer großen, abgeschlossenen Struktur.
Bewerkstelligt wird dies durch flexible Fassadenelementen, die durch ihre Transformation die Fassade öffnen, Maßstäblichkeit erzeugen, die Volumen verbinden und gleichzeitig den Zugang zum Obergeschoss freigeben.
Im Inneren des Ensembles entsteht so als zentrale Achse ein abgeschlossener Werkhof, zu dem sich die Funktionen orientieren und der den Zugang zur Hinterbühne des Festspielhauses ermöglicht. Nach außen hingegen bildet sich ein lebendiges und großmaßstäbliches Fassaden-Relief aus, welches für Passanten die laufenden Vorbereitungen der Festspiele sichtbar macht und zugleich dem inneren Geschehen eine mystische Qualität verleiht.

"Verwandlung des Günen Hügels" Konzeptbild
historische Abbildung: bayreuth.de
Daumenkino
Staffage: mrcutout.com
Mechanismus
.
Lageplan / Ansichten
.
Grundrisse
.
Perspektive außerhalb Spielzeit / während Spielzeit
Staffage: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath, mrcutout.com, robertwilson.com/Lucie Jansch