Vernakulär Vertikal

Theresa Mayr
Johanna Holz
Professur
Entwerfen und Konstruieren
Projektarbeit

Die Aufgabenstellung des Entwurfprojektes war die Beplanung und Bebauung des Areals einer stillgelegten Zementfabrik in Brunnen am Vierwaldstädtersee im Kanton Schwyz unter der besonderen Berücksichtigung der Nachhaltigkeit, Dichte und Einfachheit der Konstruktion.
Wir nahmen vernakuläre Architektur, regional wie international als Inspiration, da im traditionellen Bauen leicht verfügbare und nachhaltige Baustoffe verwendet werden und die Ausrichtung der Gebäudevolumen sowie der Räume innerhalb an das vorherrschende Klima und die Himmelsrichtungen angepasst sind. So ist nicht nur der Aufwand an grauer Energie für den Bau niedriger, es wird auch zum Unterhalt des Gebäudes weniger Energie für das Heizen und Kühlen benötigt.

Aufgrund seiner niedrigen Bilanz an grauer Energie für die Konstruktion sowie der Fähigkeit Wärme und Luftfeuchtigkeit zu regulieren wählten wir Lehm als primäres Konstruktionsmaterial. Genauer verwenden wir ungebrannte Lehmziegel welche bereits getrocknet eingebaut werden und somit, im Gegensatz zum Stampflehm, nicht schwinden. Diese Konstruktionsweise lässt sich überwiegend in arabischen Ländern finden und ermöglicht Gebäudehöhen von bis zu 30m.

Um so wenig Fläche wie möglich neu zu versiegeln entschieden wir uns für Turmtypologien, wobei jeweils drei eine urbane Einheit bilden.
Die aktuelle Beplanung des Areals sieht eine vollständige Bebauung vor, trotz mangelnder Nachfrage an Wohnraum in dem Ort mit knapp 9000 Einwohnern. Wir entschieden uns deshalb für eine Entwicklung in Phasen und den Erhalt einiger Bestandsgebäude.

Das Konstruktionsmaterial Lehm bedingt, dass die Wandstärken in den unteren Stockwerken über einen Meter dick sind und sich nach oben zunehmend verjüngen.
Je ein Stockwerk bildet eine Einheit für ein bis zwei Haushalte und verfügt über kleine, individuelle Schlafkammern im Osten, einen Gemeinschaftsraum im Süden und die Küche sowie zusätzliche Zimmer im Westen. Des Weiteren schließen an den südlichen Raum Wintergärten an, die sich im Sommer aufschieben und durch die Fallwinde kühlen lassen, sich im Winter aber aufheizen und solare Zugewinne bringen sollen. Zudem sind die Fenstergrößen je nach Himmelsausrichtung dimensioniert, um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden.
In den Erdgeschossen sind kommerzielle Nutzungen wie Gastronomien und Büros angesiedelt, während jeder Turm ein offenes Dachgeschoss als Gemeinschaftsraum für alle BewohnerInnen hat.

Ein Quadratmeter BGF benötigt in der Herstellung 1870 MJ und damit nur etwa die Hälfte dessen, was bei regulären Bauweisen aufgewendet werden muss.