Nachnutzungskonzept Alte Weserwerft – Stadt am Wasser

Professur
Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft
Projektarbeit

Die Alte Weserwerft in Minden liegt losgelöst von den Strukturen der Stadt in der Weseraue zwischen Weser und Hafenkanal. Aufgrund des stetigen Wirtschaftswachstums der Stadt Minden wurde die Werft vor fast zwei Jahrzehnten in ihrer Funktion als Bau- und Umschlagplatz abgelöst und dient heute nur noch selten für Reparaturarbeiten. Die breiten Auen, die als Überflutungsfläche dienen, sind wesentlicher Bestandteil des Hochwasserschutzes für die Stadt. Sie liegen als grünes Band, welches aufgrund der fehlenden Erschließung aber kaum genutzt wird, in der Stadt und trennen diese in zwei Hälften. Der Entwurf „Stadt am Wasser“ greift die erkannten Probleme und Potenziale des bestehenden städtebaulichen Entwicklungskonzepts auf und nimmt diese als Grundlage für die Entwicklung eines neuen Quartiers auf dem Areal der Alten Weserwerft.

Der Ursprung der Stadt Minden liegt in ihrer Lage an einer Furtstelle in der Weser, weshalb sich dort schon früher mehrere Handelsstraßen trafen. Auch der Ausbau der Wasserstraßen als Transportwege trieb die Wirtschaft und Stadtentwicklung in Minden voran. Doch die Lage am Wasser hat nicht nur Vorteile. Schwankende Wasserstände im Jahresverlauf und Hochwasserereignisse erfordern eine angepasste Bau- und Lebensweise. Als die Stadt über die Grenzen der früheren preußischen Festung hinaus auf das östliche Ufer wuchs, wurden die Weserauen von Siedlungsbebauung ausgeklammert und als dauergrüne Überflutungsflächen erhalten. Diese haben zwar einen hohen Wert für die natürliche Flussdynamik der Weser und die Qualität einer grünen Oase inmitten der Stadt, allerdings auch einen stark trennenden Charakter. Verbindungen zwischen den beiden Stadthälften fehlen, vor allem da das aktive Leben im Zentrum der Altstadt stattfindet und hier der Großteil der kulturellen und sozialen Angebote stattfindet. Um den Zusammenhalt der Stadt und die Funktion der Weseraue als Bindeglied zu stärken muss die Anbindung, insbesondere für Fußgänger und Fahrradfahrer, von beiden Seiten verbessert werden. Die Alte Weserwerft liegt auf einer künstlichen Halbinsel zwischen Weser und Hafenbecken und wird über einen Deich in der Mitte der Insel erschlossen. Die Werft liegt östlich des Weges, im Westen schließt die Weseraue an. Die Aue ist bis zum Deich als Überflutungsgebiet für ein zehnjähriges Hochwasser kartiert, die Werft steht bei einem solchen Ereignis nur in Teilen unter Wasser. Um die Funktion der Weserwerft als Überflutungsfläche zu erhalten und die Fläche dennoch für Wohnen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten nutzbar zu machen, wurde für das neue Quartier eine Bauform gewählt, die an wechselnde Wasserstände angepasst ist. Von der Straße auf dem Deich gehen Stege ab, die jeweils mehrere Pfahlbauten erschließen. Das Wohnen in diesen außergewöhnlichen Gebäuden bietet die Möglichkeit der Erfahrung eines veränderlichen Freiraums. Der gezielte Einsatz von typischer Auen-Vegetation erzeugt beruhigte sowie belebte Bereiche. Der Mittelpunkt des Quartiers befindet sich um und in einigen ausgewählten Relikten der industriellen Vergangenheit des Areals und erinnert an die frühere Nutzung. Dieser aktive Bereich steht nicht nur den Anwohnern zu Verfügung, sondern auch dem Rest der Stadt. Um das neue Quartier auch im Alltag mit Bewohnern der umliegenden Stadtteile zu beleben wurden freie Arbeitsplätze und eine Gastronomie integriert. Der aktive Freiraum dient als Veranstaltungsfläche oder einfach zur Naherholung. Eine Anbindung an das linke Weserufer und damit in die Innenstadt wird über eine Seilfähre hergestellt.

Hochwasserwahrscheinlichkeit - Schwarzplan - Gewässer und Grünstrukturen
Weserwerft Minden © Gisela Reis
Lageplan
Weserwerft Minden © Gisela Reis
Überflutungsszenarien
Weserwerft Minden © Gisela Reis
Detailausschnitt Platz am Hafen
Weserwerft Minden © Gisela Reis
Detailausschnitt Wohnquartier und aktiver Bereich
Weserwerft Minden © Gisela Reis
Perspektive Quartiersplatz und Gemeinschaftsgärten - Schnittansicht
Weserwerft Minden © Gisela Reis