Landschaft bewegt zum Innehalten

Anne Röttele
Professur
Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume
Projektarbeit

In Landschaften gibt es räumliche Strukturen, die Begegnung fördern und Aufenthalt ermöglichen. Sie schaffen, dass man sich willkommen fühlt und sind die Grundlage sozialräumlicher, landschaftlicher Qualitäten. Ihre kartografische Darstellung entlehnen wir in diesem Entwurfsprojekt historischen Messtischblättern im Maßstab 1:25.000, die einen Abstraktions- bzw. Detaillierungsgrad aufweisen, der noch eine räumliche Lesbarkeit der Landschaft – ihrer Orte und kleinräumlichen Situationen – ermöglicht. Gleichzeitig wird ihre Verflechtung auf regionaler Ebene sichtbar. In dem Projekt werden solche Orte in unterschiedlichsten Landschaften entwickelt. Sie sind jeweils inspiriert von räumlichen Situationen, die wir mit einem globalen Lebensgefühl auf Reisen und während längerer Auslandsaufenthalte wahrgenommen haben.

Die in diesem Entwurf betrachteten Referenzlandschaften sind Vik in Island und Utrecht in den Niederlanden. Wir wollen von der Holländischen Offenheit und der damit einhergehenden Zugänglichkeit der Landschaft lernen und selbstverständlich erscheinende Begegnungsorte wie in Island schaffen.
Suburbane Landschaften in Süddeutschland sind häufig auf motorisierten Verkehr ausgelegt. Ein Individuum, das sich durch die Landschaft bewegt, findet kaum Orientierung oder geeignete Wegestrukturen vor. Aus diesem Defizit heraus wollen wir durch die Erschließung und Vernetzung der Siedlungsstrukturen und Landschaftselemente mit Fahrradstraßen einen Zugang zu den Landschaften bei Heilbronn und Nürnberg ermöglichen. Durch die Aktivierung und Transformation der daran liegenden land- und forstwirtschaftlichen Flächen soll eine Plattform für Aktivität und Begegnung geschaffen werden. Diese Strategie führt zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen.
In Heilbronn wird der Landschaftsraum Neckarbecken verbunden mit den Siedlungen im Westen, im Verlauf der Fahrradstraßen werden in der bislang strukturarmen Agrarlandschaft Gehölzstrukturen, Gemeindeflächen und Beweidung in verschiedenen Ausprägungen und Größenordnungen implementiert. Das Projektgebiet bei Nürnberg dagegen ist durch den Lorenzer Wald geprägt, ein forstwirtschaftlich genutzter Kiefernwald, der lediglich durch Autobahnen unterbrochen wird. Der Entwurf fügt dem sogenannten „Steckerleswald“ einen neuen landschaftlichen Charakter hinzu durch das Roden von Lichtungen und deren Rekultivierung zur extensiv genutzten Heide.

Situationen aus dem Ausland
Erkennen von kosmopolitischen Situationen, von Aussichtspunkten und Spielgeräten bis zu Ufern
Übertragung von Atmosphären
Lernen von ausländischen Wegestrukturen und Betonung von Details und Ausblicken
Übertragungsstrategie
Fahrradstraßen bilden Zugang und Erschließung der Landschaft und aktivieren anliegende Flächen
Anwendung auf die Projektgebiete Heilbronn und Nürnberg
Aufforstung und Strukturverbesserung bei Heilbronn; Fahrradstraße und Wildbrücke bei Nürnberg
Blick auf den Neckar
Kiesnischen laden zum Aufenthalt ein und machen den Fluss zugänglich
Aussichtsturm auf der Rehgrabenheide
Der Aussichtsturm bietet einen Blick über die neuen Lichtungen und den Lorenzer Wald