HOCHSTAPLER / GROSSE BEDÜRFNISSE – KLEINER ABDRUCK

David Fink
Maximilian Jost
Professur
Entwerfen und Konstruieren
Projektarbeit

Auf dem Areal des ehemaligen Zementwerks in Brunnen am Vierwaldstättersee soll in den nächsten Jahren neuer Wohn- und Arbeitsraum geschaffen werden. Der vorhandene Gestaltungsplan sieht eine Bebauung mit hoher Dichte und großen Volumen vor. Ein Vorschlag, der weder Ortsbezug herstellt noch Rücksicht auf den Charakter der Bestandsgebäude nimmt.
Gleichzeitig herrscht in der Schweiz ein stetiger Bauboom. Es wird gebaut wo es genug gibt, an­de­ren­orts herrscht Wohnungsnot. Geistersiedlungen entstehen am Rand von Ortschaften, die aufgrund geringer Nachfragen einen hohen Leerstand aufweisen. Orientiert man sich an der Umgebungsbebauung wäre die Einfamilienhaussiedlung wohl die adäquateste Alternative zum vorhandenen Gestaltungsplan.

Das Wohnmodell Einfamilienhaus ist allerdings längst nicht mehr zeitgemäß. Es ist flächenverschwenderisch, ineffizient und unflexibel. Wie schafft man das umzukehren? Wir stapeln es!
Das Ziel dabei ist jedoch nicht, einzelne Häuser zu stapeln. Es ist vielmehr die Frage, wie man es schafft, alle Qualitäten, die das Einfamilienhaus als eine erstrebenswerte Wohnform erscheinen lässt, aufzugreifen und gestapelt widerzuspiegeln: Privatsphäre, Individualität und eine private Freifläche. Durch Versprünge in der Fassade werden Einblicke verhindert, Fassaden und Geländer sind anpassbar sowie Flächen zur eigenen Verwirklichung vorhanden und eine große Freifläche bietet genug Platz für Gartenaktivitäten. Drei Gebäude sind immer zu einer Einheit zusammengefasst und teilen sich die Erschließung, welche im Sinne der Dorfstraße ein Ort des Zusammenkommens, der Gemeinschaft ausbildet.
Der Bestand bleibt weitestgehend erhalten. Alle Einheiten werden nur auf bereits versiegelten Flächen gebaut. Lediglich die Kerne treffen im Erdgeschoss auf den Boden, um den Flächenverbrauch weiter zu minimieren. Jeder Kern wird zum „Gartenhaus“ eines Bewohners. Restflächen rundherum werden entsiegelt und der Natur überlassen: es entsteht ein „Terrain Vague“.
In der Vertikale besteht die Konstruktion aus Infraleichtbeton, dazwischen sind Brettstapelholzdecken gespannt. Die Fassaden werden in einer Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt. Es entsteht ein robustes Gerüst, welches der Individualität der Bewohner standhält, diese aber genauso zulässt und verträgt, ganz egal was zukünftig damit passiert.

Außenperspektive
Blick über den zentralen Platz mit Bestandsgebäuden
Lageplan
Neue Wege orientieren sich an Vorhandenem, bestehende Verbindungen werden verknüpft.
Tragwerk
Kerne bestehen aus Infraleichtbeton. Alle innenliegenden Wände sind in Stahlbeton ausgeführt.
Grundriss EG / Perspektive Erschließung
Orte der Gemeinschaft. Terrain Vague breitet sich unter den Häusern aus.
Grundriss Regelgeschoss / Perspektive Wohnraum
Wohnraum und Freifläche gehen nahtlos ineinander über.
Ansichten
Individualität und Robustheit