fixer Kern.flexibles Wohnen

Yakup Erol
Professur
Entwerfen und Konstruieren
Projektarbeit

Das Bauwesen verantwortet aktuell ca. 1/3 am globalen Ressourcenverbrauch, während der Umwelt täglich wertvolle Flächen für den Bau von Gebäuden und Infrastruktur entzogen werden und zunehmende Ansprüche und gesetzliche Vorgaben zu überkomplizierten baulichen Lösungen und technischer Überfrachtung von Gebäuden führen, was Bewohner überfordert und deren Adaptierbarkeit und Lebensdauer minimiert. Da wir unserer Verantwortung für kommende Generationen nur gerecht werden können, wenn wir künftig so sparsam wie möglich mit Rohstoffen, Energie und Flächen umgehen, wurde unter dem Thema „Nachhaltig.Dicht.Einfach“ innerhalb des Areals einer ehemaligen Zementfabrik in Brunnen/CH eine Synthese von zeitgemäßem architektonischen Ausdruck bei gleichzeitig verantwortungsvollem Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen angestrebt.

Als nachhaltige Synthese aus einer gewissen Dichte bei gleichzeitig geringem Flächenverbrauch und durchlässiger, dem Ort angemessener Atmosphäre wurde ein Wohnturm mit knapp 11 Geschossen angestrebt, welcher sich bezüglich Fußabdruck und Gebäudehöhe an den zu erhaltenen Bestandsgebäuden der alten Zementfabrik orientiert. Dabei ist eine Wiederholung eines solchen Typus vor allem entlang des Flussufers gut vorstellbar, da eine durchlässige Bebauung durch die Setzung solcher kompakter Volumen Freiräume hier optimal ausspielen und nahe Grünflächen mit dem Areal vernetzen kann. Das Erscheinungsbild des auserwählten Entwurfsgebäudes am Damm prägen eine offene Erdgeschosszone aus Leichtbeton, für welche u.a. eine Kreativwerkstatt mit Verkauf, sowie ein Café für das Quartier geplant sind und eine moderne Schindelfassade in den darüberliegenden Wohngeschossen, welche den Bezug zum Ort neu interpretiert und dabei dem Volumen eine gewisse respektvolle Zurückhaltung beifügt. Mit dem obersten Stockwerk, welches als überdachte aber offene Aussichtsplattform entworfen wurde, erhält das Volumen einen lockeren Abschluss, ermöglicht ein Zusammenkommen der Bewohner und bietet neben dem umlaufenden Bergpanorama und Ausblicken auf die Schweizer Kleinstadt und den Vierwaldstätter See Raum für Sonnenbäder, Fitnessaktionen, kleinere Gemüsegärten, sowie Barabende im Freien. Aufbau und Konstruktion des Wohnturms werden durch eine Symbiose von starrem Leichtbetonkern und flexiblem Holzring gebildet, was sowohl im Hinblick auf die geforderte Nachhaltigkeit des Gebäudes Ressourcennutzung und Energieeffizienz mit dem funktionellen Aufbau der Wohnungen vereint, als auch eine besondere Atmosphäre für das Wohnen mit identitärem Charakter schafft. Der massive Kern bildet dabei mit Erschließungskern, sowie allen wichtigen Funktionsräumen wie Bäder und Küchen, welche natürlich über diesen entlüften können das Herzstück des Gebäudes. An diesen ist ein Ring in Holzleichtbauweise angeordnet, welcher eine flexible Aufteilung der Wohn- und Schlafräume zulässt. Pro Wohnung könnten hier durch die setzbaren Trennwände bis zu 5 Schlafräume geschaffen werden, sodass zusammen mit den zugehörigen Funktionszellen auf knapp 90 qm pro Wohneinheit sowohl kompakteste Wohnformen für bis zu 6 Personen oder auch großzügige Loftwohnungen entstehen können. Zusatzdetails, wie kleinere Teilfunktionen des Kerns als Bücherregale, Schränke oder Sitznischen verweben die teils fließend gestaltbaren Wohnbereiche mit diesem und schaffen so ein inhaltliches Gegenüber von Betonkern und Holzring, welches Teil der atmosphärischen Symbiose der beiden Konstruktionsmethoden ist und dem Entwurf seinen besonderen Charakter verleihen.

02_Durchlaufpräsentation_S3_Schapfl-Erol_fixerKernflexiblesWohnen
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